- 15.11.2018
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01.04.2007

MarkenThema

Markenentwicklung für Universitäten (Teil II)

Sind Leuphana und Viadrina erst der Anfang?

Fortsetzung von Teil I zum Markenthema "Bildungsmarken" - Sind Leuphana und Viadrina erst der Anfang?:

Bevölkerung identifiziert sich mit der Bildungsmarke Viadrina

„Es ist ein kurzer Markenname, der sich gut einprägt“, sagt die Universitätssprecherin Jana Schwedler. Nicht nur die Studenten und die Mitarbeiter, auch die Einwohner der Stadt würden sich mit dem Namen identifizieren. Zudem sei er positiv besetzt. „Durch den Zusatz können wir uns auch viel besser gegen die vielen Europa-Bildungseinrichtungen abgrenzen.“ So wird die Uni von vielen schlicht Viadrina genannt.

In Lüneburg waren nicht alle mit dem neuen Namen glücklich, doch inzwischen scheinen sich die Wogen langsam zu glätten. Den Namen für die Leuphana hat die Hamburger Werbeagentur Scholz & Friends pro bono gefunden, die Lüneburger Uni musste dafür keinen Cent berappen. „Der Name wurde mit großer Mehrheit angenommen“, sagt Unisprecherin Karen Schierhorn. Hochschulintern habe es kaum Widerstand gegeben. Und auch die Kritik des Namensforschers Udolph, der präsize dargelegt hatte, dass der Name geographisch nichts mit Lüneburg zu tun hat, schadet nicht: „Bei dem Namen geht es nicht um die geographische Lage, sondern um die Idee, die dahinter steckt. Wenn kritisch geprüft wird, woher ein Name kommt, entspricht das dem Geist der Wissenschaft.“

WIFU, FZI, HLS, KPE oder IteG – das sollen Marken sein?

Spätestens seit der Elitewettbewerb eingeläutet ist, schärfen viele Universitäten und Forschungseinrichtungen ihr Profil, Markenbildung wäre da selbstverständlich. Die „Universitäten“ könnten sich hier bei der Leuphana einiges abgucken. Doch eine signifkante Zunahme der Markenanmeldungen von Universitäten lässt sich dem Register, trotz der Ankündigung von Hochschulpressesprecher Archut nicht entnehmen. Neben den klassischen Namen und Logos, die nur einige Unis mittels Markeneintrag abgesichert haben, sind meist die Namen einzelner Projekte und Forschungseinrichtungen geschützt. Auffällig ist dabei die hohe Zahl von Abkürzungen, die für Universitäten eingetragen sind. WIFU, FZI, HLS, KPE oder IteG – häufig wird erst nach einer zusätzlichen Recherche klar, was sich eigentlich dahinter verbirgt. Auch Kunstworte wie „Matheon“ für die TU Berlin oder „Komsis“ für das Regio GmbH Institut für Regionalentwicklung und Informationssysteme an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg (ein Name der sofort abgekürzt werden müsste) sind geschützt.

Daneben finden sich noch ein paar Erfindungen und Slogans, die eher an Eventschutz, als an klassische Bildung erinnern. Der Schutz für „Lange Nacht der Wissenschaften“ für Bekleidungsstücke liegt bei der FU Berlin, die TU Dresden hat sich in drei Klassen die „Kinder Universität Dresden“ geschützt und konkurriert mit diesem Eintrag  zur „Oberlin Kinder Universität“ der Privatperson Sigrid Oberlin aus Freiburg. Die Uni Regensburg ist beispielsweise mit dem „Europaeum“ und dem „Bohemicum“ im Register präsent. Die FU Berlin hat den Slogan „Zukunft von Anfang an“ per Register gesichert. Zum Thema Zukunft ist jedoch die „TU Braunschweig Projekt Zukunft“ bereits seit 1995 im Register vertreten.

Eingetragene Bildungsmarken sind meist Bildmarken

In das Markenregister eingetrage Bildungsmarken gibt es ein ganze Reihe. Die Unis Dortmund, Passau, Bremen oder Leipzig sind mit Ihrem Logo präsent. Paderborn setzt als einizge Universität auf eine Wortmarke, die ganz klassisch den Begriff Universität mit dem Ort verbindet. Hannover hat sich gleich eine Vielzahl von Kombinationen von „Leibniz Universität“ bis „Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover“ schützen lassen.

Ob nun bewusst oder unbewusst. Das Markenbewusstsein der Bildungsträger ist groß. Die Humboldt-Universität und Europa-Uni Viadrina gründeten 2003 eine deutsche Governance School in Berlin. Die bekam den Namen „Humboldt Viadrina School of Governance“. Darin ist dann das jeweils Beste aus dem Namen dieser Universitäten verschmolzen.

Ob allerdings das „Campusfest“ der TU Chemnitz zur Registernummer 30536245 Bestand hat, wird das eingeleitete Widerspruchsverfahren zeigen. Für die herkömmlichen „Bildungsklassen“ der Markenklassifizierung Nummer 41 und 42 ist die Marke jedenfalls nicht angemeldet. Eine markenrechtlich geschützte „Campusparty“, Registernummer 30536246 dürfen die sächsischen Studenten aber widerspruchlos feiern.

Fortsetzung von Teil I zum Markenthema "Bildungsmarken" - Sind Leuphana und Viadrina erst der Anfang?:

Von Rechtsanwalt Tobias Sommer

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