06.12.2006
MarkenNews
Schwibbögen aus China leuchten im Erzgebirge
Sächsische Kunsthandwerker starten Kampagne „Original statt Plagiat“ Holzgeschnitzte Weihnachtsfiguren aus China – und das mitten im Erzgebirge. In Seiffen, wo Nussknacker, Engelchen und Schwibbögen seit Hunderten von Jahren ihre Heimat haben, fremdelt es. Ein Unternehmer aus dem Emsland bietet pünktlich zur Vorweihnachtszeit Billigimitationen aus Fernost an.
Mit seinem Verkauf von nachgeahmtem Holzkunstwerk aus Asien ist der Geschäftsmann Johannes Schulte den Erzgebirgischen Kunsthandwerkern schon länger bekannt. Die Hersteller aus dem Erzgebirge gehen nun in die Offensive. Der Verband der Erzgebirgischen Kunsthandwerker und Spielzeughersteller hat vergangene Woche die Kampagne „Original statt Plagiat – Deutsche Handwerkskunst“ gestartet, mit der er ein Zeichen setzen will.
Die Aktion soll darüber informieren, wo einheimische Qualitätsangebote zu finden sind. „Wir haben dafür eine einprägsame Wort-Bild-Marke entwickelt. Damit wird den Herstellern, Einzelhändlern und auch den Kunden ein Herkunftssiegel an die Hand gegeben damit sie sicher sind, dass sie heimische Erzeugnisse erwerben“, erklärt Ringo Müller, der in Seiffen ein traditionsreiches Kunsthanderwerksgeschäft betreibt und fürchtet, dass Trittbrettfahrer vom Ruf des Erzgebirges profitieren.
In Schultes Geschäftsgebaren sehen die Hersteller aus dem Erzgebirge eine Auswirkung der Globalisierung, weshalb sie mit ihrer Kampagne auch ein Zeichen gegen den freien Welthandel setzen wollen. Sie fürchten den Verlust von Arbeitsplätzen und eine Schwemme von qualitativ minderwertigen Plagiaten deutscher Originalfiguren.
Der niedersächsische Unternehmer Schulte wundert sich über die Aufregung: „Einerseits beklagen alle hier die Globalisierung, andererseits exportieren sie kräftig in alle Welt ", sagte er. „Außerdem sollen die Gewerbetreibenden einsehen, dass sich nicht jeder die teuren Produkte leisten kann“.
Die Kunsthandwerker aus Seiffen haben bereits Prozesse wegen Nachahmung von markenrechtlich geschützten Produkten aus dem Erzgebirge geführt, auch gegen Schulte. Innerhalb der Branche selbst soll es allerdings ebenfalls immer wieder zu Streitigkeiten um den Begriff „echt Erzgebirge“ gekommen sein, nachdem einzelne Hersteller ihre Erzeugnisse aus Kostengründen teils in Tschechien produzieren ließen.
juk
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